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Chronische Multi-System-Erkrankungen

Immunologische Dysfunktionen (Störungen) spielen offensichtlich bei vielen chronischen Erkrankungen eine Schlüsselrolle. Die klassische Schulmedizin steht den immer häufiger anzutreffenden Fällen von Chronischem Erschöpfungs-Syndrom (CFS), Fibromyalgie (FMS) und Überempfindlichkeiten auf Chemikalien, Lebensmittel und Umwelt-Smog mehr oder weniger recht ratlos gegenüber. Sie kategorisiert diese inzwischen ein unter chronische Multi-System-Erkrankungen (CMI – Chronic Multisystem Illnesses).

Die pathogenen Immunreaktionen lassen sich nicht in die Muster von Autoimmunreaktionen und Allergien einordnen. Auffallend ist jeweils eine Fehlsteuerung der Entzündungsmechanismen des Immunsystems (Dysbalance der individuellen Toleranzmechanismen). Die Auslöser der Fehlsteuerung (Dysregulierung) können dabei vielfältig und individuell verschieden sein und resultieren aus der engen Vernetzung des komplexen Immun-Systems mit dem Nerven- und Hormon-System. Als immunologische Auslöser können neben Bakterien, Viren und Schadstoffen auch psychische Faktoren in Frage kommen.



Die Diagnostik erfordert eine umfangreiche Anamnese mit Differentialdiagnostik zu möglichen Ursachen und darauf basierend die Durchführung verschiedener Laboruntersuchungen (mehrere Module, in einer Art Stufendiagnostik veranlasst werden):

Labordiagnostik
Bislang gibt es keine diagnostischen Labortests oder objektivierende technische Untersuchungen rein für chronische Multi-System-Erkrankungen (CMI – Chronic Multisystem Illnesses). Trotzdem kann durch eine gezielte, stufenweise Laboranalytik die Diagnose „CMI“ objektiviert und im Schweregrad charakterisiert werden. Die Labortests umfassen:

Modul 1: Basis zum Screening

  • Großes Blutbild, Kreatinin, GPT, GGT, Ferritin, Magnesium, Kupfer im Blut
  • Cortisol basal, Testosteron, DHEAS, TSH basal
  • IgG, IgA, IgM, IgE, Eiweiß-Elektrophorese, ANA, CCP, ANCA
  • CRP, ACE
  • Zytokinsynthese (Il 10, TNF alpha, IFN gamma)

 Modul 2: Infektionsmodul

  • Chlamydia pneumoniae-Antikörper + Chlamydia pneumoniae-Elispot-LTT
  • Borrelien-Immunoblot + CD57+Zellen + Borrelien-Elispot-LTT
  • Antikörper auf EBV, CMV, HHV 6, Coxsackie-Virus, Borna-Virus, Toxoplasmose,

 Modul 3: Immunkompetenzmodul

  • Zelluläres Immunprofil (CD3, CD4, CD8, CD19, akt. NK-Zellen)
  • IgG-Subklassen, IgA-Subklassen

 Modul 4: Vitaminmodul

  • Vitamine A, B1, B2, B6, B12, C, E, Folsäure, Coenzym Q10

Die notwendigen Laboruntersuchungen sind auf Basis der Anamnese und der körperlichen Untersuchung durch den behandelnden Arzt festzulegen.

Betroffene Patienten klagen über systemische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, kognitive Einschränkungen, Gedächtnislücken, Konzentrationsstörungen und Depressionen, wobei der Symptom-Komplex individuell sehr unterschiedlich gewichtet sein kann. Hauptschwerpunkt der Diagnostik und Therapie ist die Immunabwehr und die ganzheitliche Stärkung des Immunsystems; dies gilt selbst dann, wenn die konventionellen Immunparameter (Autoantikörper, Immunglobuline im Serum, Lymphozytensubpopulationen) keine signifikanten Auffälligkeiten zeigen.

Hinweise:

  • Zytokine regulieren die Immunantwort. Unter dem Oberbegriff Zytokine werden die verschiedenen Untergruppen von Immunbotenstoffen (Interleukine, Interferone, Kolonie-stimulierende Faktoren, Tumornekrosefaktoren, Chemotaktische Faktoren und Wachstumsfaktoren) zusammengefasst. Zytokine wirken i.d.R. auf mehrere verschiedene Zellarten und haben dabei unterschiedliche, z.T. sogar entgegengesetzte Wirkungen. Ein weiteres wichtiges Merkmal von Zytokinen ist deren Retundanz (verschiedene Zytokine können die gleiche Wirkung haben).
  • Eine Fehlsteuerung der Th1/Th2-Regulation ist für die chronischen Entzündungen verantwortlich und bei den meisten CMI-Erkrankungen festzustellen.
  • Immunologische Prozesse sind auch eng mit endokrinologischen und neurogenen Mechanismen gekoppelt. Signalmoleküle (Hormone, Neurotransmitter und Zytokine) dieser 3 zentralen System des Körpers sind nicht isoliert, sondern Teil des übergreifenden Regulationsnetzwerkes.
  • Zytokine wie TNF-alpha, Interleukin1, 2, 6 und die Interferone beeinflussen auch auf direktem Wege die Psyche, Verhalten und Befindlichkeit, ebenso wie Hormone und Neurotransmitter. Unter diesem Gesichtspunkt sind psychische Auffälligkeiten bei CMI-Patienten als Sekundär-Phänomen einer deregulierten Neuro-Immunfunktion anzusehen und nicht als Ursache der Beschwerden.
  • Klinische Konsequenzen können in einer erhöhten Infektanfälligkeit und der Reaktivierung latenter Bakterieninfektionen (Borrelien, Chlamydien, etc.)  und von Virusinfektionen (EBV, CMV, HSV, VZV) im Sinne eines zellulären Immundefizites auftreten. Die unzureichende Erregerelimination begünstigt die Ausprägung von chronischen Bakterien- und/oder Virusinfekten mit entsprechenden klinischen Symptomen (bakterielles u./o. virales CFS).
  • Bei dekompensierter Stresssituation mit Erschöpfung der Cortisol- und DHEA-Bereitstellung entfällt ein wichtiger Regulator der NF-kB induzierten Entzündung. Hier kommt es zu einer ungebremsten und überschießenden TH1-Immunantwort mit hoher IFN-gamma Bereitstellung.

Nachstehend finden Sie eine Tabelle mit häufigen Krankheitsbildern, bei denen chronische Entzündungen zu erheblichen Beschwerden führen und die bei der Differentialdiagnostik auf CMI-Verdacht berücksichtigt werden sollten.

Tabelle 1: Häufige Krankheitsbilder mit chronischen Entzündungen

(alphabetisch)
Alzheimer Krankheit
Atemwegsbeschwerden: Asthma, chronische Bronchitis, Emphysem
Blutzuckerprobleme
Borreliose und mögliche Co-Infektionen (Babesien, Bartonellen, Ehrlichien, Chlamydien, Rickettsien/Coxiellen, Mykoplasmen und bestimmte Viren: EBV, CMV, HSV)
Chronisches Erschöpfungs-Syndrom (CFS)
Darmerkrankungen, entzündliche: Colitis ulcerosa, Crohns Erkrankung
Fettleibigkeit (deutliches Übergewicht - Adipositas)
Fibromyalgie (FMS) - chronische Schmerzkrankheit mit Symptomen in der Muskulatur des Gelenk- bzw. Bewegungsapparates
Gicht
Herzkrankheiten
Kandidose oder Soor: eine Pilzinfektion – systemische Hefe-Überwucherung
Kopfschmerzen (einschließlich Migräne)
Krebs
Lebensmittelunverträglichkeiten (Allergien und Empfindlichkeiten) und mögliche Ess-Störungen
Leber Erkrankungen
Lupus: Autoimmunerkrankung – Schmetterlingsgeflecht im Gesichtsbereich
Multiple Sklerose
Nieren-Erkrankungen
Parkinson
Rheuma (Rheumatoide Arthridis) und eventuell Osteoarthritis
Zystische Fibrose: Mukoviszidose, eine erbliche Erkrankung - nicht heilbar 

Hinweis: Diese Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Rahmen einer Differentialdiagnostik ist durch den behandelnden Arzt auf Basis der Klinik (Symptomatik) im Detail jeweils abzuklären, welche Krankheitsbilder und Ursachen in Betracht kommen.